Dr. Hans W. Gutsch von Sensomotion Inc. präsentiert eine neue Struktur zur Bewahrung des modernen Kapitalismus. Ein amerikanisch-europäischer Vergleich.

HOUSTON--()--Nachfolgend eine Stellungnahme von Dr. Hans W. Gutsch, Vorsitzender von Sensomotion Inc:

Das gegenwärtige System in der westlichen Hemisphäre funktioniert – noch. Um jedoch wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Führungsstruktur angepasst werden. Es beginnt an der Spitze. Um unseren Wettbewerbsvorteil in den USA aufrechtzuerhalten, muss sich die Vorstandstruktur großer Konzerne verändern und es muss eine völlig andere Führungsstruktur umgesetzt werden. Um die Situation und die vorgeschlagene Veränderung zu beschreiben, habe ich zwei umstrittene Strukturen ausgewählt – USA und Deutschland.

USA

Der Konflikt ist vorprogrammiert. Mitarbeiter und Großaktionäre sind automatisch Insider.

In den Vereinigten Staaten werden die Regeln für Körperschaften durch den Secretary of State (Minister) desjenigen Bundesstaates festgelegt, in dem sich diese Körperschaft befindet. Die Gründungsurkunde, die vom Staat genehmigt wird, beschreibt den Zweck des Unternehmens, den Geschäftssitz und seine Organe. Bei der ersten Sitzung der Gesellschaft werden die Organe und der Vorstand (Board of Directors) die Satzung des Unternehmens ausarbeiten und vorlegen. Die Satzung stellt schriftliche Mandate dar, die angeben, wie das Unternehmen geführt werden wird. Nach Genehmigung der Gründungsurkunde, werden die Geschäftsbeauftragten dann die Satzung ratifizieren, die das Dokument darstellt, in dem Zweck und Zielsetzung des Unternehmens definiert ist.

In einem börsennotierten Unternehmen wird der Vorstand von den Aktionären gewählt und fungiert als die höchste Instanz bei der Unternehmensführung.

Ein interner Geschäftsführer ist Geschäftsführer, der gleichzeitig Angestellter, Prokurist, Großaktionär oder jemand ist, der in ähnlicher Weise mit dem Unternehmen verbunden ist. Interne Geschäftsführer repräsentieren das Interesse der Aktionäre des Unternehmens und haben oft besondere Kenntnisse über die inneren Angelegenheiten, finanzielle Lage oder Marktposition des Unternehmens.

Ein externer Geschäftsführer hingegen, ist ein Vorstandsmitglied, das ansonsten weder durch das Unternehmen beschäftigt oder darin involviert ist, noch irgendwelche seiner Aktionäre repräsentiert. Ein typisches Beispiel dafür ist ein Geschäftsführer, der Vorsitzender einer Firma einer anderen Branche ist.

Deutschland

Ein zweigliedriges System. Externe Gewerkschaftsführer und Betriebsräte sitzen zusammen im Vorstand.

In Deutschland sowie in einigen anderen europäischen und asiatischen Ländern gibt es zwei getrennte Vorstände; einen Vorstand für das Tagesgeschäft und einen Aufsichtsrat (von den Aktionären gewählt) zur Beaufsichtigung des Vorstands. Der Vorstandsvorsitzende leitet den Vorstand und der Vorsitzende leitet den Aufsichtsrat, und diese beiden Aufgaben werden immer von verschiedenen Personen ausgeübt. Dadurch werden eine Unterscheidung zwischen dem Management durch den Vorstand und der Betriebsführung durch den Aufsichtsrat sichergestellt und klare Zuständigkeiten abgesteckt. Ziel ist es, das Entstehen eines Interessenkonflikts und die Konzentration von zu viel Macht in den Händen einer Person zu verhindern. Hierbei besteht eine deutliche Analogie mit dem Aufbau der Regierung, bei der die Bestrebung besteht, das politische Kabinett von der Verwaltung des öffentlichen Dienstes zu trennen. In den Vereinigten Staaten ist der Vorstand (Board of Directors, von den Aktionären gewählt) oft gleichzeitig der Aufsichtsrat, während das Executive Board, das auch als Exekutivausschuss (Executive Committee) bezeichnet wird (auch: Operating Committee oder Executive Council) aus dem CEO und den diesem direkt unterstellten Geschäftsführern (Geschäftsführer mit Prokura, von Geschäftsbereichen und Tochterunternehmen) besteht.

Der Aufsichtsrat großer deutscher Gesellschaften besteht aus 20 Mitgliedern, von denen zehn durch die Aktionäre gewählt werden und die anderen zehn Arbeitnehmervertreter sind (davon drei Gewerkschaftsvertreter). Im Falle einer Pattsituation fallen bei Abstimmungen dem Vorsitzenden zwei Stimmen zu. Diese Art der Zusammensetzung eines Firmenvorstands ist Teil der demokratischen Teilhabe in kapitalistischen Volkswirtschaften. Es geht eigentlich um viel mehr, als nur um Vorstandsposten. Das Betriebsverfassungsgesetz besagt, dass der Arbeitgeber mit Gewerkschaften zusammenarbeiten muss, die im Unternehmen und in den Betriebsräten vertreten sind. Betriebsräte müssen in jedem Unternehmen gewählt werden, das regulär mindestens fünf festangestellte Mitarbeiter beschäftigt. Die Art der Zusammenarbeit zwischen den Betriebsräten und dem Arbeitgeber reicht weit über ein einfaches Informationsrecht hinaus, und erstreckt sich vielmehr auf das Recht auf Anhörung, das Recht auf Stellen von Forderungen, das Recht auf das Ergreifen von Initiativen, Vetorechte bis hin zur vollständigen Mitbestimmung.

Beobachtung

Die Diskussion darüber, ob ein einstufiges oder ein zweistufiges Vorstandsystem zu einer besseren Corporate Governance führt, hat in vielen Ländern bereits begonnen. Das einstufige System hat den Vorteil, dass der Vorstand besser mit dem Unternehmen verbunden ist. Auf der anderen Seite birgt es das Potenzial, interne Informationen zu missbrauchen oder eine Kultur zu schaffen, wie diejenige, die zum Enron-Debakel und letztlich zum Untergang von Enron geführt hat.

Das zweistufige System funktioniert in Deutschland, weil Gesetze und Vorschriften, insbesondere das Betriebsverfassungsgesetz, nicht wortwörtlich genommen werden. Stattdessen wenden Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte ihren gesunden Menschenverstand an und akzeptieren Kompromisse oder die Vereinbarung von „Deals“. Sie sorgen dafür, dass das System funktioniert.

Allerdings kann weder ein einstufiger noch ein zweistufiger Vorstand sämtliche Vorfälle, wie zum Beispiel das, was über Volkswagen bekannt geworden ist, verhindern. Der Autohersteller wurde in einem Konflikt verunglimpft, der einen Schritt zu weit ging. Im Gegenzug für Flexibilität entgegengenommene persönliche Gefälligkeiten haben den Ruf eines erfolgreichen Unternehmens getrübt. Siemens und MAN haben ebenso negative Schlagzeilen wegen Korruptionsvorwürfen gemacht.

Schlussfolgerung/Empfehlung

Es gibt keine perfekte Vorstandsstruktur. Unter Berücksichtigung sämtlicher Aspekte befürworte ich dennoch ein zweistufiges System mit externen Vorstandsmitgliedern für den Aufsichtsrat. Mit Ausnahme des internen CEO als einziges internes Mitglied des Aufsichtsrats. Diese Position stellt das Verbindungsstück zur Betriebsorganisation dar. Der CEO kann nicht der Vorsitzende sein. Die Einführung dieser Art von Struktur würde das Bild eines „Clubs“ erheblich eindämmen. Dadurch würde eine größere Transparenz und Vereinfachung in unseren Unternehmensstrukturen gefördert. Größere Transparenz in unseren Strukturen sowie praktische, sinnvolle Regelungen und Gesetze würden unsere Wettbewerbsposition in einem globalen Umfeld stärken.

Indem wir komplizierte Gesetze einführen, weil ein Unternehmen die Regeln der guten Unternehmensführung verletzt hat, verletzen wir gut geführte Unternehmen, wodurch wir tatsächlich vielen Branchen schaden. Mit ungesunder Bürokratie können wir in einer globalen Umgebung nicht konkurrieren. Wir fragen uns, warum Arbeitsplätze nach China verlegt werden.

US-Technologie ist erstklassig. Die US-amerikanischen Arbeitskräfte sind erstklassig. Sogar unsere Kostenstruktur ist wettbewerbsfähig. Aber wir sind zu langsam, zu unflexibel und zu kompliziert. In den letzten Jahren haben US-Politiker und Regulierungsbehörden über 4000 neue Regelungen eingeführt. In diesem Bereich müssen wir Reduzierungen ansetzen (weniger ist mehr), anstatt unsere Kräfte zu beschränken. Wer will auch ein Vorstandsmitglied sein, wenn der Job voll mit persönlichen Risiken und persönlicher Haftung ist? Die Arbeitsbelastung und das Verantwortungsniveau ist nicht das gleiche wie vor 20 Jahren. Ich bitte die Aktionäre dringend, die besten Personen für den Vorstand auszuwählen. Letztlich sind es die Aktionäre, die durch ihre Vertreter, nämlich den Vorstand und den Aufsichtsrat, für Erfolg oder Versagen des Unternehmens verantwortlich sind. Was wir dringend im geschäftlichen Amerika brauchen, ist politische Unterstützung und mehr Aktivität, um das Unternehmertum von Arbeitgeberverbänden zu fördern, um unsere Geschwindigkeit und Flexibilität zurückzuerlangen. Warum? Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv und leistungsfähig bleiben. Arbeitgeber schaffen Jobs.

Dr. Hans W. Gutsch
Unternehmensberater

Hans Gutsch ist der ehemalige Senior Vice President der Compaq Computer Corporation. Gutsch war Vorstandsmitglied von verschiedenen Firmen weltweit und dient nun als Berater für Top-Level-Führungskräfte.

Die Ausgangssprache, in der der Originaltext veröffentlicht wird, ist die offizielle und autorisierte Version. Übersetzungen werden zur besseren Verständigung mitgeliefert. Nur die Sprachversion, die im Original veröffentlicht wurde, ist rechtsgültig. Gleichen Sie deshalb Übersetzungen mit der originalen Sprachversion der Veröffentlichung ab.

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